Forschung/Projekte


Laufende Forschungsprojekte

 

  • Pragmatistische Politikdidaktik

Kürzlich abgeschlossen wurde das Forschungsprojekt von Armin Scherb aus dem Bereich der Theorie der Politischen Bildung. Das Projekt befasste sich mit der Frage, ob eine Grundlegung der Politischen Bildung im Pragmatismus möglich ist. Kernelement des Projektes ist der Nachweis, dass die erkenntnistheoretischen Implikationen der Pragmatischen Maxime von Charles S. Peirce für ein normatives Konzept Politischer Bildung fruchtbar gemacht werden können. Damit ist der Philosophie des Pragmatismus nicht nur eine Erfolg versprechende Lerntheorie zu entnehmen. Vielmehr gelingt es auch den Pragmatismus als konzeptionelle Basis für die Förderung von Demokratiekompetenz auszuweisen. (Siehe auch hier unter "Pragmatistische Politikdidaktik"!)

 

  • „Saal 600“ als Klassenzimmer: Politische Bildung mit den Alliierten Kriegsverbrecherprozessen in Nürnberg


Ein Dissertationsprojekt untersucht die Nürnberger Prozesse (1945 – 1949). Es entwickelt Begründungen und Konzepte für den Einsatz dieses historischen Themas in der politischen und rechtlichen Bildung. Ausgangspunkt dafür ist die Bildungsarbeit am „Memorium Nürnberger Prozesse“. Ziel ist, ein Basiskonzept „Recht“ und die Kategorien „Schuld“ und „Gerechtigkeit“ als tragfähige Grundlagen für rationale politische und moralische Urteile zu entfalten.

  • Verfassungsauftrag "... im Geiste der Demokratie erziehen": 

Ein Dissertationsprojekt befasst sich mit der Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte der in den Länderverfassungen verankerten Pflicht zur Demokratrieerziehung. Untersucht werden soll dabei auch die Frage, ob und welche politikdidaktischen Vorstellungen die Diskussionen in den verfassungsgebenden Versammlungen und Ausschüssen geleitet haben.

 

  • Politik der Politischen Bildung in Bayern:

Ein weiteres Dissertationsprojekt versucht am Beispiel der historischen Entwicklung des Landesverbands Bayern der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung (DVPB) die Politik der Politischen Bildung in den Kontext parteipolitischer Paradigmenverfolgung zu stellen. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Rekonstruktion der sogenannten "politische(n) Geographie", die in den 1970 Jahren die Bundesrepublik in A-Länder und B-Länder aufgeteilt hatte.

 

Forschungsdesiderate

 

  •  Forschungsdesiderat 1: Verhältnis von politischer und ökonomischer Bildung

Seit Anfang der 1980er Jahre kennt das Bayerische Gymnasium eine fachliche Trennung von politischer und ökonomischer Bildung. Mit der Einführung des Faches Wirtschaftslehre/Recht sind die ökonomischen Inhalte der Sozialkunde entzogen und dem neuen Fach zugewiesen worden. Angesichts der in anderen Bundesländern virulent geführten Kontroverse über das Verhältnis von politischer und ökonomischer Bildung könnte eine Untersuchung des bayerischen Modells einen wichtigen Diskussionsbeitrag leisten. Folgende Fragestellungen harren dabei der Bearbeitung:

  1. Welche didaktischen Überlungen haben zu der Institutionalisierung der ökonomischen Bildung als eigenständiges Fach geführt? (Gab es Einflussnahmen seitens der Wirtschaftsverbände und ggf. welche Argumente wurden dabei vorgetragen?)
  2. Welche Veränderungen haben sich durch die Eigenständigkeit der ökonomischen Bildung für das Fach Sozialkunde ergeben?
  3. Welche Auswirkungen hatte die Trennung auf die Bearbeitung volkswirtschaftspolitischer Fragestellungen angesichts der einsetzenden Globalisierungsprozesse?
  4. Wie geht das bayerische Gymnasium angesichts der fachlichen Separierung mit den aktuellen Finanzkrisen um? (Wie wird angesichts der fachlichen Trennung die enge Verknüpfung von politischen und ökonomischen Fragen bearbeitet?)

Auf der Basis einer Untersuchung dieser Fragen wären Schlussfolgerungen für das Verhältnis von ökonomischer und politischer Bildung zu ziehen. Diese Schlussfolgerungen würden sich vermutlich auf die institutionelle Verankerung der Bezugsfächer der politischen und ökonomischen Bildung aber auch auf die Lehrerbildung beziehen.

Einführende Literatur: Armin Scherb, Ökonomische und politischen Bildung – vereinbar? In: Georg Weißeno (Hg.), 2005:  Politik verstehen. Neue Wege der politischen Bildung, Wiesbaden, S.113ff. Armin Scherb, Ökonomische oder doch Politische Bildung? In: Lange, Dirk, Fischer, Sebastian (Hg.), 2011: Politik und Wirtschaft im Bürgerbewusstsein. Untersuchungen zu den fachlichen Konzepten von Schülerinnen und Schülern in der Politischen Bildung. Schwalbach/Ts., S.47ff.

 

  • Forschungsdesiderat 2: Aspekte der Konzeptualisierung außerschulischer Politischer Bildung 

  • Exemplarisch sollen in der Markgemeinde Arberg Konzepte außerschulischer Politischer Bildung entwickelt werden. Dabei geht es um die Frage nach den Möglichkeiten eines integrativen Unterrichtens in den Fächern Geschichte, Sozialkunde und Erkunde. Ein erstes eher historisch-politisches Projekt liegt in der Aufarbeitung der Zeit von 1933 bis zum Start der Bundesrepublik. Die Markgemeinde Arberg hat jenseits der in vielen Orten registrierbaren Entwicklungen eine besondere Bedeutung. Diese besteht in dem historischen Faktum, dass die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland Charlotte Knobloch durch das selbstlose Engagement einer Arberger Frau vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten bewahrt wurde. Das historische Gedächtnis, das durch Lernmöglichkeiten vor Ort eine noch durch Zeitzeugen erfahrbare Grundlage erhält, soll am Beispiel der Biografien von Kreszentia Hummel und Charlotte Knobloch eine differenzierte Betrachtung der dunklen deutschen Vergangenheit ermöglichen.

  • Forschungsdesiderat 3: Überprüfung des Ostrogorski-Paradoxons im Sozialkundeunterricht

  • Viele Kolleginnen und kollegen verwenden mittlerweile in ihrem Sozialkundeunterricht den von der BpB konzipierten Wahl-O-Maten. Anlass einer in diesem Zusammenhang zu stellenden Forschungsfgrage ist der Bericht einer Schülerin, die im Sozialkundeunterricht einer Mittelschule auf Grund der von ihr gewählten  Anwortoptionen des Wahl-O-Maten im Ergebnis zu ihrem Entsetzen feststellen musste, dass sie auf Grund der Auswertung eigentlich die NPD wählen würde. Eine entsprechende Untersuchung sollte nun die folgenden Frage klären: 

  • 1. Handelt es sich bei diesem Fall um ein zufälligen Einzelereignis oder ist der Wahl-O-Mat geeignet, das bekannte Ostrogorski-Paradoxon zu bestätigen.
  • 2)  Fördert der Wahl-O-Mat latent extremismusaffine Einstellungen zu Tage oder müssten die Wahl-O-Mat-Fragen korrigiert bzw. präzisiert werden?
  • 3) Welcher didaktischer Anstrengungen bedarf es, um bei Schülerinnen und Schüler ein Maß an Urteilskompetenz zu fördern, das es ermöglicht,den Zusammenhang zwischen den Antwortoptionen und den Schlussfolgerungen für die Parteipräferenz herzustellen.
  • Weitere Informationen unter www.bpb.de/politik/wahlen/wahl-o-mat/